Freud und Leid - die alte Geschichte
24h am Alfsee
geschrieben am 06.06.2011 von Telse & Dirk
Als irgendwann im Frühjahr eine Ausschreibung für ein 24h-Rennen auf den Bildschirm flatterte, bei dem es ein eigenes Rennen für Crosser geben sollte, war klar: Sommercross ohne uns geht gar nicht! Ruckzuck hatten wir ein 4er-Team gemeldet (Chriz, Dirk, Felix und Torben). Telse meldete später als Einzel-Starterin auf dem MTB nach.
Am Alfsee angekommen, wurde erst einmal das Camp errichtet: Zelt, zwei Pavillons und Pepe (wer ihn noch nicht kennt, der Team-Bulli!) sollten uns für dieses Wochenende eine perfekte Umgebung bieten. Apropos perfekt: Das Veranstaltungsgelände befand sich auf einem riesig großen Campingplatz auf dem wir beste Bedingungen vorfanden: Strom & Wasser direkt am Zelt und hervorragende Sanitäranlagen, kräftige und warme Duschen zu jeder Zeit. Und jeder Zeit meint im Wortsinne jeder Zeit!
Am Samstag folgte nach dem Frühstück erst einmal eine Streckenbesichtigung: Nach etwa 5 Kilometern "freuten" wir uns über eine doch recht harmlose Strecke auf der wir mit den Crossern bestens zurechtkommen sollten. Doch dann gab es doch noch einen Abschnitt, der es in sich hatte: vier mal den Deich hinunter um dann direkt wieder hochzufahren: Bergab wurde man ordentlich durchgeschüttelt, bergauf hätte ein Crossrad-untypischer leichter Gang das Leben deutlich erleichtert. Alles in allem war aber alles gut fahrbar und für den Crosser eine perfekte Mischung.
Kurze Zeit später ging es dann zum Start. Dirk durfte als Erster ran - er war seit der Cross-Saison nicht mehr bei einem Rennen aktiv und freute sich schon auf die Atmosphäre im Startblock. Und wie nicht anders zu erwarten wird nicht etwa gemächlich gestartet (es stehen ja noch 24h bevor). Es ging zur Sache, als ob das Rennen nur eine Runde dauert. Chriz und Felix hatten schon am Vorabend die Parole ausgegeben: "Schneller als alle anderen sein! Ja - auch schneller als die Mountainbiker". Also begannen wir das Rennen auch mit kurzen Wechseln, jeder eine schnelle Runde und dann der Nächste. So setzten wir uns gleich in der Spitze des Rennens fest. Am späten Nachmittag wechselten wir dann in einen Rhythmus von 2 Runden pro Fahrerwechsel, damit jeder von uns auch mal ein bisschen Zeit zum regenerieren hatte. Und in der Nacht wurde sogar auf einen 3er-Rhythmus gewechselt um ein bisschen Schlaf zu ermöglichen.
So zogen wir also unsere Runden und hatten uns auf dem zweiten Platz in der Gesamtwertung festgesetzt. In der Crosserwertung führten wir recht ungefährdet, hier wurde der Vorsprung Runde um Runde größer. Das führende Univega-Team noch einzuholen schien auch ziemlich unmöglich und so brauchten wir uns auch keinen weiteren Stress machen. In der Nacht hatte jeder von uns bei einer längeren Pause die Möglichkeit die Augen zuzumachen (mit dem Adrenalin im Körper war an Schlaf trotzdem nicht zu denken). Um diese Pausen zu ermöglichen musste allerdings auch jeder von uns 3 Runden am Stück drehen - wahrlich kein Zucker schlecken. Am morgen gab es dann noch zwei mal kurz Aufregung: Dirk musste bei einer dieser 3 Runden gleich in der ersten Runde mit Luftverlust kämpfen, jedoch reichte ein kurzer Zwischenstopp am Focus Stand um dann mit ordentlich Luft im Reifen das "Soll" zu erfüllen. Später sorgte dann noch ein kurzer Irrtum bei der Zeitnahme für Aufregung - wir hätten auf einmal deutlich von unserem Vorsprung verloren. Doch nach kurzer Rücksprache mit der Zeitnahme löste sich auch dieses Problem in Luft auf, und wir fuhren mehr oder weniger entspannt unserem Sieg entgegen, nach ziemlich genau 24 Stunden war es Chriz, der für uns jubelnd über die Ziellinie fuhr. Crosserwertung gewonnen, und nur ein MTB-Team vor uns, das für uns auch wirklich nicht zu kriegen war - mehr geht nicht!
Eigentlich wollte ich mir ja nur eine Startnummer ziehen um ein wenig auf der Strecke zu trainieren, Atmosphäre zu schnuppern und ansonsten den Jungs zur Seite zu stehen. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass noch eine weitere Frau so bekloppt sein würde, das 24h-Rennen als Solostarterin in Angriff zu nehmen. Aber direkt im Meldebüro wurde ich mit der Realität konfrontiert. Hinter mir stand ein Mann, der mit stolz geschwellter Brust die Startnummern seiner zu betreuenden Fahrer abholte - darunter eine weibliche Einzelstarterin. Und dahin war er - der schöne Traum eines einspannten Wochenendes....
Allright - Solostarterin mit Betreuer. Da scheint wohl jemand was vorzuhaben... Aber nicht mit mir, mein Fräulein. Kurzum wurde der Plan geändert. Auf keinen Fall wollte ich mir die Blöße geben in den Ergebnislisten als Verliererin zu stehen. Schade, dass ich seit mehr als einem Jahr nicht länger als 4 Stunden im Sattel gesessen hatte, und berufsbedingt weder ein Frühjahrs-Trainingslager in den Beinen hatte, noch nennenswerte Kilometer hier zu Hause abgespult hatte. Und wer mich kennt, der weiss, dass auch 4 Stunden schon an der absoluten Grenze meiner Toleranz liegen... Laaaangweilig...!
Aber nun war es eben so, und ich mußte die Wahl treffen zwischen Verlieren und Schmerzen. Ich entscheid mich natürlich für die Schmerzen... ;-) Am Start hielt ich Ausschau nach der Dame. Meist lässt sich an der Optik ja schon viel ablesen. Muß ich die Nacht durchfahren oder kann ich schlafen - das war die Frage, die mich interessierte. Vorsichtshalber hatte ich mich im Startblock mal vorn einsortiert. Man weiss ja nie. Kurz vor knapp kam sie dann. Grünes Cube-Bike und Regenjacke, sieht zumindest mal nicht nach viel Rennerfahrung aus. Aber vielleicht gibt sie beim Startschuss die Regenjacke ihrem Betreuer... Also nicht zu sicher fühlen - 24 Stunden sind ne Menge Holz. Immerhin - das Rad ist leicht zu erkennen, ob nun beim Überholen oder überholt werden...
Der Schuss fällt und das Rennfahrer-Gen erwacht. Lang ist's her. Im Januar bin ich das letzte Rennen gefahren. Aber Spaß macht's. Ich jage den Jungens hinterher, fahre drei Runden tatsächlich Rennen bis ein Blick auf den Garmin mir sagt: Das hälst du nie und nimmer bis morgen nachmittag durch. Also durchatmen und das Tempo runterfahren. Laaangweilig. Ich finde mich mit anderen 24h-Aspiranten zusammen, es ist ein Kommen und Gehen. Noch habe ich die Konkurrentin nicht gesehen. Nach drei Stunden gibt mir Torben die Zeit durch: 27 Min Vorsprung. Damit lässt sich doch erstmal arbeiten. ;-) Ich halte weitere 3 Stunden durch bevor meine Getränke-Reserven erschöpft sind (ja - ich habe einen Camelbak am Mann) und ich einen kurzen Zwischenstop im Camp erwäge. Es ist 20 Uhr und langsam wird es auch Zeit das Lämpchen rauszuholen. Der Zeitpunkt scheint also passend.
Nach kurzer Pause geht's wieder auf die Strecke. Ich habe nicht die geringste Ahnung, wo ich stehe, plane aber um Mitternacht für eine Weile ins Bett zu gehen. Denn Sitzen kann ich schon lange nicht mehr... Noch 4 Stunden - das scheint machbar. Haha.
Als ich nach weiteren 4 Stunden fick und fertig zum Camp komme, eröffnet mir Felix, dass ich 3 Stunden Vorsprung hätte. Herrlich. Schlafen!!! Klappt nur leider nicht, weil die Herren alle naslang ein dermaßenes Bohei veranstalten ;-) und sowieso der Körper irgendwie nicht auf Schlaf getrimmt scheint. Also döse ich ein paar Stunden vor mich hin, um dann um 6 Uhr wieder in den Sattel zu steigen. Scheisse tut das weh. Im Sonnenaufgang geht es weiter, ich lege noch eine kurze Frühstückspause ein, und dann geht's in die letzten Runden zum Endspurt. Bin ich froh, dass ich mit dem MTB gestartet bin - so konnte ich zumindest die Deichanstiege bis zum Schluss fahren. Viel andere mußten laufen. Das allerdings hätte mir mit Sicherheit die Schuhe ausgezogen. Glücklich fahre ich um kurz vor 14 Uhr als Siegerin durch's Ziel. Die letzte Runde lehne ich dankend ab. Der Vorsprung sollte reichen. In erster Linie war es ein Sieg über mich selbst. Über meinen Kopf und vor allem über meinen "Mors". Der tat nämlich amtlich weh. Und das nicht erst am Sonntag morgen. Fest steht: Das mache ich nie nie mehr wieder. Was für ein Blödsinn. Aber man soll ja niemals nie sagen und der Vergangenheits-Optimismus wird einsetzen - so sicher wie das Amen in der Kirche.
Fazit: Alles in allem war es eine tolle und trotz doch zahlreicher Teilnehmer sehr familiäre Veranstaltung. Die Strecke nutzte die lokalen Gegebenheiten, hier wurde sicherlich das Maximum rausgeholt. Die Infrastruktur, insbesondere der Campingplatz, war für den Veranstalter ein Glücksgriff. Wir hätten uns ein paar mehr Starter auf Crossern gewünscht, denn auch im Sommer lässt sich hervorragend crossen! Und wie wir ja gezeigt haben, ist man mit dem Crosser nicht unbedingt unterlegen. Wir freuen uns aufs nächste Jahr!









Kommentare
Moin, bei dem Bericht Eurer
Moin,
bei dem Bericht Eurer Einzelstarterin musste ich doch herzlich lachen. Der genannte Betreuer war mein Kollege welcher unsere Startunterlagen für unseren Vierer abholte. Als er den Tag zuvor nur eine einzige Starterin im Fraueneinzel gesehen hatte, meldete er seine Freundin für diese Distanz an damit die einzige gemeldete Frau den Sieg nicht kampflos erzielt.
Viele Grüsse
Ja lustig! Besonders, weil
Ja lustig! Besonders, weil ich garnicht gemeldet war, also auch nicht in der Liste stehen konnte! ;-)
Viele Grüße . Telse
Hatten die beiden dann später
Hatten die beiden dann später auch festgestellt das da ein anderer Name auf der Meldeliste im Vorfeld stand!
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